Neue Mensa Bergstraße an der Technischen Universität Dresden

Die Sanierung und Modernisierung der Neuen Mensa an der Bergstraße in Dresden, eines Architekturdenkmals der DDR-Moderne, stellte eine komplexe Aufgabe im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und zeitgemäßen Nutzeranforderungen dar.

Die Mensa wurde in den Jahren 1975–81 als sog. Wiederverwendungsprojekt des DDR-Hochschulbaus errichtet. Mit einer Kapazität von ca. 5.000 Essenportionen geplant, liegt ihr ein funktionelles Konzept zugrunde, das bereits in den 1960er Jahren für zahlreiche Mensen an anderen Standorten entwickelt wurde. Neben der Verwendung vorgefertigter Bauelemente ist dieser Mensatypus durch eine zweigeschossige Bauweise mit kreuzungsfreier Erschließung sowie eine u-förmige Saalanordnung auf nahezu quadratischem Grundriss charakterisiert.

Trotz weitgehender Wiederverwendung einer Projektlösung wurde seitens der Entwurfsverfasser der Versuch unternommen, den jeweiligen Mensen eine standortspezifische Ausprägung insbesondere durch die innenräumliche Gestaltung zu geben. Dass dies in einer hohen funktionalen wie ästhetischen Qualität gelang, ist an zahlreichen Würdigungen und Auszeichnungen der damaligen Zeit ablesbar und führte im Herbst 2008 zur Eintragung der Neuen Mensa in das Sächsische Denkmalverzeichnis. In der Kurzcharakteristik wird das Bauwerkes als „gestalterisch anspruchsvoller Typenbau der DDR“ bezeichnet, der „baugeschichtlich und bezüglich des Interieurs auch künstlerisch bedeutend“ ist. Nach fast 30-jährigem ununterbrochenen Betrieb, bedarf es umfassender Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen.

Die besondere Herausforderung bestand darin, eine denkmal-schutzrechtlich konforme Neuordnung der räumlichen Strukturen vorzunehmen und gleichzeitig die haustechnischen Anlagen komplett zu erneuern. Dabei mussten veränderte baurechtliche Anforderungen im Brandschutz berücksichtigt, bauphysikalische Ertüchtigungsmaßnahmen durchgeführt und baukonstruktive Schäden behoben werden.

Zu Beginn der Sanierungsplanung stand nicht der vollständige Zustandserhalt im Vordergrund, sondern vielmehr ein respektvoller Umgang mit dem Bestand bei gleichzeitiger Schaffung zusätzlicher Flächenangebote und Optimierung der Betriebsabläufe. Als klare Vorgabe war festgelegt, die öffentlichen Bereiche einschließlich aller relevanten Details originalgetreu zu erhalten und aufzuarbeiten.

Trotz seiner Verhaftung in den Idealen seiner Entstehungszeit verkörpert der Mensen-Typus einen menschlichen Maßstab und weist eine hohe gestalterische Qualität bis ins letzte Detail auf. Um den Bestandsbaukörper möglichst unverändert zu belassen, wurde ein neuer Anbau konzipiert, der alle zusätzlich benötigten Funktionen aufnimmt. Dieser Anbau soll bewusst keinen Kontrast zum Bestand erzeugen, sondern folgt einem additiven Ansatz durch eine Konfiguration horizontaler und vertikaler Elemente. Die geplanten Veränderungen im Inneren sind zwar deutlich ablesbar, ordnen sich aber in Form und Materialkanon des Bestandes ein, ohne bewusste Brüche zu erzeugen. Der Entwurf führt mit Hilfe der Vergrößerung der Gebäudekubatur zu einer Lösung der aufgetretenen Konflikte. Das östlich angelagerte neue Bauteil bietet Raum für zusätzlich benötigte Technikflächen sowie die Einordnung von Außensitzplätzen. Neu ist die Einordung der Terrasse auf dem Technikanbau. Diese kann von den Besuchern direkt auf Obergeschossniveau erreicht werden.

Die ursprüngliche Organisation und Gliederung des Gebäudes blieb erhalten. Auf zwei Geschossen wurden die Haupt- und Nebenfunktionen so verteilt, dass die Kernfunktionen des Mensabetriebes im Obergeschoss und alle ergänzenden Nutzungen im Erdgeschoss angeordnet sind. Entscheidende funktionelle Veränderung gegenüber dem Bestand ist der die Gebäudemitte ausfüllende neue „Free- Flow“ Ausgabebereich, welcher an die Stelle der bisherigen Bandausgabe tritt. Es entsteht ein über Oberlichter erhellter Innenraum mit einer Thekenanordnung, in der die Gäste teilweise an der Essenszubereitung teilhaben und sich ihre Speisen frei zusammenstellen können.

Die im Bestand verwendeten Materialien wie Sichtmauerwerk aus rotem Klinker für Wände, Werkstein für Böden und Holz für Decken und Türen verbinden alle Räume und vermitteln eine natürliche Atmosphäre. Ohne die Stimmigkeit des vorhandenen Materialkanons zu stören, erhalten neue Elemente zeitgemäße, teilweise dezent farbige Oberflächen in Holz- oder Metalloptik. Die Waschbeton- und Fensterfassaden müssen aufgrund ihres Schadensbildes ersetzt und entsprechend der Gliederung und Detaillierung des Bestandes nach dem Stand der Technik neu erstellt werden, teilweise unter Wiederverwendung originaler Bauteile.

Die Sanierung der Neuen Mensa hat dazu beigetragen, das kulturelle Erbe zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße, den heutigen Anforderungen entsprechende Studierendenversorgung zu schaffen. Die historische Substanz erstrahlt in neuem Glanz und erfährt durch die Hinzufügungen eine weitere Aufwertung. Die Voraussetzungen für einen langfristigen und nachhaltigen Betrieb sind gegeben.

Architekturbüro:

AGZ Zimmermann Architekten GmbH

Bauherr:in:

Studentenwerk Dresden

Eine Veranstaltung von: AGZ Zimmermann Architekten GmbH.

Es stehen nur sehr wenige Parkplätze zur Verfügung.

BesichtigungSONNTAG
14:00 – 16:00