Denkmalgeschützte Internatsvilla in Bautzen – Umnutzung für Pflege, Betreuung und Wohnen

Die um 1900 errichtete Villa in der Albert-Schweitzer-Straße ist Teil der gründerzeitlich geprägten Bebauung der Bautzner Neustadt und wurde ursprünglich als Internatsgebäude genutzt. Ihre großzügige räumliche Struktur und die repräsentative architektonische Ausbildung spiegeln diesen ursprünglichen Anspruch bis heute wider.

Ziel der Planung war es, die bauzeitliche und denkmalgeschützte Substanz nicht nur zu bewahren, sondern auch jene Qualitäten wieder freizulegen, die durch Überformungen im Zuge von Umbauten in den 1970er-Jahren innerhalb eines erweiterten Bauensembles überlagert worden waren. Durch den gezielten Rückbau späterer Einbauten und Veränderungen konnte die ursprüngliche räumliche und gestalterische Klarheit des Gebäudes wieder erfahrbar gemacht werden.

Für den Oberlausitzer Lebens- und Familienhilfe e. V. entstand ein integrativer Standort, der verschiedene Unterstützungsangebote unter einem Dach vereint. Die vorhandene Gebäudestruktur ermöglichte eine klare funktionale Gliederung über die einzelnen Geschosse. Im Erdgeschoss wurde eine Tagespflege eingerichtet, während im Obergeschoss der familienunterstützende Dienst untergebracht wurde. Im Mansardgeschoss entstanden Wohnungen für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Die Geschäftsstelle des Pflegedienstes sowie die technischen Nebenräume wurden im Untergeschoss angeordnet.

Ein wesentliches Anliegen der Planung war die barrierearme und selbstverständliche Erschließung des Gebäudes. Durch den Einbau eines Aufzuges konnten alle Nutzungsebenen miteinander verbunden und für die Nutzer zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig wurde der baurechtlich erforderliche zweite Rettungsweg innerhalb der bestehenden Gebäudestruktur integriert. Dadurch blieb die äußere Erscheinung der denkmalgeschützten Villa unverändert und zusätzliche außenliegende Rettungsanlagen konnten vermieden werden.

Leitgedanke der Planung war ein sensibler und respektvoller Umgang mit dem Denkmal. Die vorhandene Raumstruktur blieb in ihren wesentlichen Qualitäten erhalten und wurde gezielt ergänzt. Neue Einbauten wurden zurückhaltend eingefügt und in den Bestand integriert.

Die Umnutzung knüpfte an die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als Ort der Betreuung und Unterbringung an und führte diese unter heutigen Anforderungen fort. Die historische Villa konnte so dauerhaft gesichert und in ihrer bauzeitlichen Identität gestärkt sowie zu einem lebendigen Ort der Pflege, des Wohnens und der sozialen Teilhabe weiterentwickelt werden.

Fertigstellung: Dezember 2025

Architekturbüro:

bo | architekten & ingenieure

Bauherr:in:

Oberlausitzer Lebens- und Familienhilfe e.V.

Eine Veranstaltung von: bo | architekten & ingenieure.

Führungen zwischen 15:00 bis 17:00 Uhr

FührungSAMSTAG
15:00 – 17:00