Clusterwohnen und -arbeiten hinter wiederverwendeter Fassade – Neubau

Der Entwurf basiert auf einem langfristigen Abwägungsprozess zwischen dauerhafter, kostengünstiger, kreislauffähiger und ökologischer Bauweise. Reduktion wird dabei als gestalterisches und konzeptionelles Werkzeug verstanden, um architektonischen und sozialen Mehrwert zu erzeugen.

Das Gebäude befindet sich auf einem kleinen innerstädtischen Eckgrundstück im Leipziger Westen mit ca. 485 m² Fläche. Der Baukörper entsteht auf einer ehemaligen Brachfläche. Durch die kompakte Setzung erfolgt keine zusätzliche Versiegelung. Unversiegelte Restflächen werden gärtnerisch genutzt und bieten einen hohen Aufenthaltswert. Städtebaulich fügt sich der Bau als Mischform aus offener und geschlossener Grenzbebauung selbstverständlich in das Quartier ein. Der zur Aussteifung dienende Erschließungsraum aus Beton ist deutlich vom übrigen Baukörper abgesetzt.

Das Entwurfskonzept basiert auf einem Clustermodell, das individuelle Wohnformen und kollektives Arbeiten ermöglicht. Vier Wohn-Cluster sowie ein Arbeits-Cluster organisieren private Räume um gemeinschaftlich genutzte Küchen-, Wohn-, Arbeits- und Sanitärbereiche. Das Gebäude ist barrierearm konzipiert. Das Erdgeschoss bildet als stadtteiloffener Ort der Begegnung einen wichtigen Baustein für die Vernetzung im Quartier.

Das Projekt ist als selbstverwaltetes Mietshaus im Syndikatsmodell organisiert mit solidarisch gestaffelten Mieten. Die Cluster ermöglichen eine qualitätvolle Verringerung des Flächenbedarfs im Wohnen und Arbeiten. Eine hohe Planungsbeteiligung der Baugruppe hat die Gestaltung des Gebäudes maßgeblich geprägt. Kreislauffähiges Bauen ist integraler Bestandteil des Konzepts.

Das energetische Konzept folgt einem Low-Tech-Ansatz gemäß KfW-EH55-Standard mit dem Ziel geringer Wartungs- und Instandsetzungsintervalle. Wärme- und Schallschutz entsprechen dem Standard des Geschosswohnungsbaus. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Fernwärmestation mit Fußbodenheizung. Die Nachrüstung von Photovoltaik- oder Kollektoranlagen sowie die Umstellung auf alternative Wärmeerzeuger sind vorbereitet. Regenwasser wird über eine Zisterne für WC-Anlagen und Außenwasserhähne genutzt. Die Nutzungseinheiten werden natürlich belüftet, innenliegende Sanitärbereiche über Zwangsentlüftung.

Baukosten werden durch Eigenleistungen, das Clustermodell und die Wiederverwendung von Baustoffen im Innenausbau und in der Fassade reduziert. Geringere Standards und hohe Flächeneffizienz – mit einem Selbstverständnis von etwa 30 m² Wohnfläche pro Person – ermöglichen dauerhaft leistbaren Wohnraum. Weitere Einsparpotenziale bestehen in der Nachrüstbarkeit des Aufzugs und der Energieversorgung.

Konstruktiv wird ein Holzskelettbau mit gesteckten und geschraubten Verbindungen umgesetzt. Nichttragende Außenwände in Holzständerbauweise mit Zellulose- oder Holzfaserdämmung, partielle CLT-Aussteifungen sowie ein auf das Treppenhaus beschränkter Stahlbetonkern ermöglichen sortenreine Rückbaubarkeit und einen sparsamen Einsatz von Ressourcen. Vorgehängte, recycelte Fassadenbekleidungen, textile Verschattung und verschraubte Balkone unterstützen die Kreislauffähigkeit.

Die Fassaden bestehen in den Obergeschossen aus gebrauchten Schalungsplatten und lasierten alten Bodendielen aus einem Rückbauprojekt, im Erdgeschoss aus recyceltem Ziegelmauerwerk des ehemaligen Kellers. Das Ergebnis ist ein robustes, dauerhaftes und authentisches Erscheinungsbild, das die Haltung des Projekts sichtbar macht.

Architekturbüro:

ASUNA - atelier für strategische und nachhaltige architektur

David Slaby

Eine Veranstaltung von: ASUNA - atelier für strategische und nachhaltige architektur.

FührungSAMSTAG
13:00 – 15:00

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